BKA-Chef fordert Ende der öffentlichen Debatte über die Online-Durchsuchung und deren Technik
Der Spiegel interviewt BKA-Chef Ziercke. Eine besonders interessante Passage aus dem Interview:
SPIEGEL ONLINE: In den letzten Monaten ist viel über die Online-Durchsuchung diskutiert worden. Dabei entstand der Eindruck, mit einfachsten Mitteln könne man sich der Maßnahme entziehen. Bringt es danach überhaupt noch etwas, oder sind die Terroristen schon zu gut vorbereitet?Nein, Herr Ziercke. Die öffentliche Debatte zur Technik, und wie man sich schützt, startet jetzt erst richtig durch. Darauf können Sie sich verlassen!
Ziercke: Natürlich war die Diskussion über technische Details für uns nicht optimal, allerdings blieb ja vieles im Bereich der Spekulation. Im Übrigen zeigen andere Beispiele wie das der Telefonüberwachung, dass das Wissen um die Möglichkeit einer Maßnahme Straftäter nicht zwingend klüger macht. Telefone hören wir seit Jahrzehnten ab - trotzdem verraten sich noch viele Kriminelle durch ihre Gespräche. Allein 70 Prozent der Straftaten aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität werden mit Hilfe von Erkenntnissen aus der Telefonüberwachung aufgeklärt.
Klar ist, dass die öffentliche Debatte über die Online-Durchsuchung und deren Technik jetzt ein Ende haben muss.
Und was wird Herr Ziercke unternehmen, wenn die öffentliche Debatte nicht aufhört? Wie wird sich die Polizei und die Politik gegenüber der Fachpresse verhalten, die in den nächsten Wochen und Monaten viele Sonderhefte und Artikel an interessierte Leser verteilt, die wissen wollen, wie man sich gegen einen Bundestrojaner schützt? Was werden Politik und Polizei gegen Bürgerinitiativen unternehmen, die zu zivilem Ungehorsam bezüglich Vorratsdatenspeicherung und Bundestrojaner anstacheln? Was wird die Politik und die Polizei gegen die Entwicklung von Softwareprodukten unternehmen, die eine Umgehung von Überwachungsmaßnahmen erleichtern?
Herr Ziercke sollte sich gut überlegen, welche Forderungen er als BKA-Chef an die Öffentlichkeit stellt. Wir leben in keinem Polizeistaat. Was er fordert, lässt sich in einem echten Rechtsstaat nicht durchsetzen. Wie und über welche Themen eine öffentliche Debatte geführt wird, liegt außerhalb des Einflussbereich des BKA und der Politik. Die Öffentlichkeit sollte jetzt doppelt wachsam sein und sich gegen Zensurversuche wehren. Man kann erwarten, dass das BKA und die Bundesanwaltschaft in Zukunft unter fadenscheinigen Argumenten (Hackerparagraph, Terroristische Vereinigungen usw.) gegen Projekte wie TOR und deren Nutzer, sowie Informationsangebote zur anonymen Internetnutzung und Schutzmaßnahmen vorgehen wird.
Glaubt man auf Seiten des BKA und des Innenministeriums wirklich, ein technisches Wettrüsten zwischen Öffentlichkeit und Staat durch ein Unterdrücken der öffentlichen Debatte aufhalten zu können? Übrigens, ein digitales Wettrüsten hatte die Bundesregierung als Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion kategorisch ausgeschlossen.
Ich kann nur alle Leser ausdrücklich auffordern, so stark wie möglich an der öffentlichen Debatte zur heimlichen Online-Durchsuchung und deren Technik mitzuwirken. Insbesondere ist es Aufgabe der Datenschützer und des BSI die Bürger darüber aufzuklären, wie sie ihre Datenverarbeitungsanlagen gegen heimliche Zugriffe von Dritten, ob staatlich kriminell oder regulär kriminell, schützen können!

1 Kommentare:
Hallo,
die Diskussion um dies unsägliche Ding called "Bundestrojaner" ist mehr als nur zu begrüssen. Auf der anderen Seite ist doch allzu verständlich, wenn der Chef vom BKA ihr Ende fordert.
Er hat u.U. Angst davor, dass die Stümperei rund um das Thema auffliegt. Im Ernst, Techniker aller Länder vereinigt Euch: wie soll das Ding denn funktionieren ??
Die wissen doch gar nicht wovon die reden. Ich bin Informatiker, hab aber keine Idee, wie es machbar sein soll, ohne dass das Dingen auffliegt. Und sei's mit der nächsten Abrechnung vom Internetprovider.
rgds, b.n.w
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